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Asset Avenue - Frances Hudson - German

Viele Anleger orientieren sich derzeit an kürzeren Zeithorizonten. Dies dürfte in Anbetracht der jüngsten Finanzkrise, der dadurch entstandenen Rezession und der zahlreichen politischen Initiativen kaum überraschen. Allerdings werden die Finanzmärkte von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, von denen einige eine wesentlich längerfristige Wirkung haben. Demografische Trends, die Lebensumstände, die Bevölkerungsstrukturen und der Bevölkerungswandel in den verschiedenen Ländern und Regionen gehören zu den wichtigsten Beispielen. Daher ist es wichtig, dass die Anleger sich der demografischen Entwicklungen bewusst sind und wissen, inwiefern sie das derzeitige Wirtschaftsklima beeinflussen, und umgekehrt, und welche Auswirkung sie wahrscheinlich auf die verschiedenen Schlüsselsektoren und –märkte haben. Viele der wahrscheinlichen Triebfedern des nächsten Konjunkturzyklus – beispielsweise die Nachfrage nach Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und Altersvorsorge, die Diskussion über Kohlendioxidemissionen und erneuerbare Energien oder der ausgeglichene Wettbewerb zwischen Schwellenländern und Industrieländern – sind mit tiefgreifenden Bevölkerungsentwicklungen verbunden.

Das Zusammenspiel der aktuellen Wirtschaftslage und der Demografie verstärkt einige der früheren demografischen Trends, während es andere abschwächt. Bestimmte früher gewonnene Erkenntnisse behalten ihre Gültigkeit – zum Beispiel die Unterstützung einer langfristigen Entwicklung hin zu größeren Anleihebeständen in Portfolios und niedrigeren Anleiherenditen in jenen Ländern, die sowohl ein langsameres Bevölkerungswachstum als auch ältere Bevölkerungen aufweisen. Japan wäre dafür ein Paradebeispiel. Pensionskassen sind ihrer Art nach anleiheähnlich und die zunehmende Anzahl von Ruheständlern dürfte bedeuten, dass die Pensionskassen im Laufe der Zeit ihre Anleihebestände im Vergleich zu Aktien erhöhen, um das sich verändernde Verhältnis zwischen erwerbstätigen und pensionierten Mitgliedern der Pensionskassen widerzuspiegeln. Gleichermaßen dürften sich die Anleger in Aktien durchaus der potenziellen Vorteile bewusst sein, die eine Favorisierung von Aktien aus der pharmazeutischen Industrie und inländischen Energie- und Freizeittiteln mit sich bringen, um die Portfolios auf die mit der alternden Bevölkerung verbundenen Anpassungen abzustimmen.

Alternde Bevölkerungen üben weiterhin Druck auf die Krankheitskosten aus, ein Thema, deren Behandlung die US-Regierung seit einigen Jahren hinauszögert, aber eine Priorität für die neue demokratische Regierung ist, wobei die Ausgaben bereits 16 % des US-amerikanischen BIP ausmachen. Die Krankenversorgung in den weltweiten Schwellenländern gewinnt als Anlagethema ebenfalls an Bedeutung. Die jüngsten Entwicklungen, die sozusagen die Vorboten für den Übergang der Schuldenlast und Verantwortung für die Krankenversorgung weg vom privaten Sektor und hin zum öffentlichen Sektor sind, kommen noch zu den bereits komplexen Analysen dazu. Die staatliche Politik wird eine immer wichtigere Rolle spielen und die Präferenzen der Politiker werden einen starken Einfluss auf die Ergebnisse auf Aktien- und Sektorebene ausüben. Die wachsende im Ruhestand befindliche Bevölkerung wirkt sich sowohl auf die angebotenen Anlagen als auch die Risikobereitschaft aus. Die politischen Ergebnisse sind auch in Bereichen wie Umweltanlagen wichtig, wo der Markt bei der Allokation von Ressourcen keine bedeutende Rolle spielt. Es wird in immer stärkeren Maße akzeptiert, dass zwischen Bevölkerungswachstum und Klimawandel eine Beziehung besteht.

Während sich die Länder weiterentwickeln und wohlhabender werden, gehen die Geburtenraten zurück und die Lebenserwartung der Menschen steigt, was die Tendenz zu einer weltweiten Veralterung verstärkt. Daher werden die Anleger mangels der Lösungen in Form von Epidemien, Hungersnöten oder Kriegen im Sinne des Malthusschen Bevölkerungsgesetzes wahrscheinlich eine zunehmende Annäherung der Trends auf regionaler Ebene und in den Schwellen- und Industrieländern erleben. Anders ausgedrückt wird es in den meisten Ländern außerhalb Afrika weniger Familien mit Kindern und mehr ältere Menschen geben. In den letzten Jahren haben die Spargeldströme aus einigen Schwellenländern tatsächlich die kreditfinanzierten Ausgaben in einigen Industrieländern finanziert. Diese Möglichkeit dürfte aufgrund der demografischen Entwicklungen in Zukunft begrenzt sein, was auf einen schmerzlichen Anpassungsprozess in den Industrieländern hinweist. Die Demografie bietet sowohl eine Erklärung und einen Grund dafür, warum es einigen Gruppen besser als anderen geht. Dies wiederum hat Auswirkungen auf die zukünftige Assetallokation. Die Anleger müssen kritischer sein, statt einfach nach dem pauschalen Ansatz „des Kaufs von Anleihen“ zu handeln.

Was verändert sich? Die Menschen vertrauen weniger darauf, dass die Inflation niedrig und relativ stabil bleiben wird. Daher wird in einem Szenario, in dem die Staaten ihre Bilanzen kräftig ausbauen und auch die Defizite wahrscheinlich aufgrund der demografischen Faktoren wie höhere Pensions- und Gesundheitsausgaben wachsen werden, weniger Gewicht auf nominelle und mehr auf reale Renditen gelegt werden. Die frühere Präferenz der Portfolios, überwiegend staatliche und kommunale Anleihen, angereichert durch eine Auswahl an soliden dividendenausschüttenden Aktien großer Unternehmen, zu halten, könnte mittelfristig inflationsgebundenen Papieren, langfristigen Anleihen von Blue-Chip-Unternehmen und einer größeren Fokussierung auf Rohstoffe wie Energie, Wasser und Gold weichen. Denn Pensionskassen, Versicherungsannuitäten und langfristige Finanzinstrumente könnten eine größere Rolle spielen.

Frances Hudson, Global Thematic Strategist, Standard Life Investments

This article was first published in October 2009 edition of Asset Avenue.

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